Deloitte-Studie zeigt Rückschritte bei Frauenförderung

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March 3, 2026
03.03.2026
2 Minuten Lesezeit

Fast jede zweite Frau in Österreich fühlt sich im Berufsleben benachteiligt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sieht strukturelle Hürden als Ursache.

Andere Sorgen dominieren

Wenn Budgets knapp werden und Märkte schwanken, rutschen manche Themen auf der Prioritätenliste nach unten. Genau das passiert derzeit mit der Förderung weiblicher Karrieren in Österreich. Deloitte Österreich hat für eine aktuelle Erhebung 615 Unternehmensvertreter befragt. Das Resultat: Knapp ein Fünftel der Betriebe räumt ein, Diversitätsfragen aktuell zurückzustellen. Wirtschaftliche Unwägbarkeiten und politische Verwerfungen binden die Aufmerksamkeit.

Jede zweite Frau erlebt Benachteiligung

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 49 Prozent der befragten Frauen geben an, im Berufsleben aufgrund ihres Geschlechts bereits Nachteile erfahren zu haben. Das ist keine Randerscheinung, sondern Alltag für nahezu die Hälfte aller weiblichen Beschäftigten. Gleichzeitig schwindet der Glaube an gleiche Chancen. Nur noch 45 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass Frauen unabhängig von ihrem Stundenpensum dieselben Aufstiegsmöglichkeiten haben wie Männer. Im Vorjahr lag dieser Wert noch fünf Prozentpunkte höher.

Führungspositionen bleiben Männerdomäne

Nahezu die Hälfte der befragten Unternehmen plant nicht, den Anteil von Frauen in Spitzenfunktionen zu erhöhen. Begründet wird das häufig mit fehlendem geeignetem Personal. Elisabeth Hornberger, Fachfrau bei Deloitte Österreich, sieht das anders. Das Problem liege nicht im Talentpool, sondern in den Strukturen. Rekrutierungsprozesse und Karrierewege begünstigten nach wie vor traditionelle Erwerbsbiografien. Ein Drittel der Firmen verknüpft beruflichen Aufstieg weiterhin mit voller Stundenzahl, was Beschäftigte mit familiären Verpflichtungen systematisch ausschließt.

Unsicherheit als Ausrede?

Elisa Aichinger, Partnerin bei Deloitte Österreich, ordnet die Ergebnisse ein. Geopolitische Spannungen und konjunkturelle Risiken verschöben die Schwerpunkte in den Chefetagen. Gleichstellung werde dadurch zum Nebenthema degradiert. Ob diese Begründung ausreicht oder lediglich als bequeme Entschuldigung dient, lässt die Studie offen.

Was sich ändern müsste

Die Erhebung benennt Hebel, an denen Unternehmen ansetzen könnten. Gleichstellungsziele sollten verbindlich in Geschäftsstrategien einfließen. Modelle wie geteilte Führung oder Teilzeitmanagement könnten helfen, qualifizierte Frauen auf dem Weg nach oben zu halten. Ob die Appelle fruchten, wird sich zeigen.