Der designierte unabhängige Vorsitzende von KPMG Australien, Michael Ebeid, hat sich kurz vor einer parlamentarischen Anhörung persönlich bei Labor-Senatorin Deborah O'Neill für abfällige Äußerungen über deren Rolle im Whistleblower-Verfahren entschuldigt.
Der Vorgang reicht bis März zurück: Ebeid hatte damals in internen E-Mails an Vorstandskollegen die Nutzung des parlamentarischen Privilegs durch O'Neill als unangemessen kritisiert und ihre öffentlichen Aussagen zu den Whistleblower-Vorwürfen als falsch bezeichnet. Diese Korrespondenz wurde im Juli vom zuständigen Parlamentsausschuss veröffentlicht und sorgte für erhebliche Aufmerksamkeit.
Weniger als eine Woche vor der nächsten Ausschussanhörung wandte sich Ebeid nun per E-Mail direkt an O'Neill und räumte ein, dass seine damaligen Einschätzungen falsch gewesen seien. Die inzwischen bekannt gewordenen Fakten hätten gezeigt, dass die von der Senatorin im Namen des Whistleblowers vorgebrachten Bedenken tatsächlich schwerwiegendes Fehlverhalten aufgedeckt hätten. Auch sein damaliger Vorstoß, dem Ausschuss die Position der Kanzlei persönlich darlegen zu wollen, sei ein unangemessener Umgang mit dem Parlament gewesen. Ebeid bezeichnete seine ursprüngliche E-Mail als naiv und auf ganzer Linie falsch, er habe damals nicht über alle Fakten verfügt.
Die Entschuldigung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Ebeid soll als designierter unabhängiger Vorsitzender die Governance-Strukturen von KPMG Australien stärken, eine Aufgabe, die nach den Whistleblower-Enthüllungen besondere Glaubwürdigkeit erfordert. Ob die späte Entschuldigung ausreicht, um das Vertrauen des Parlamentsausschusses zurückzugewinnen, dürfte sich bei der bevorstehenden Anhörung zeigen.




