KPMG US hat dem weltgrößten Stablecoin-Emittenten Tether erstmals einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk nach US-GAAP erteilt, ein Wendepunkt für ein Unternehmen, dessen fehlende Vollprüfung jahrelang für Kritik sorgte.
Bislang veröffentlichte Tether lediglich vierteljährliche Reservebestätigungen durch BDO Italia, punktuelle Momentaufnahmen, die zwar die Deckung der umlaufenden Token belegten, aber keinen umfassenden Einblick in Bilanz, Erträge, Kontrollsysteme und Mittelflüsse erlaubten. Die nun abgeschlossene KPMG-Prüfung für das Geschäftsjahr 2025 deckt das gesamte Spektrum ab: Bilanzstruktur, Bewertung der Reserveaktiva, Verbindlichkeiten, Eigenkapitalveränderungen und Zahlungsströme. Laut Tether ließ KPMG unter anderem jeden einzelnen physischen Goldbarren vor Ort zählen und inspizieren. Die geprüften Reserven überstiegen die Verbindlichkeiten zum Jahresende um rund 6,8 Milliarden Dollar.
Die Prüfung fällt in eine Phase verschärfter Aufsicht: Der im Juli 2025 unterzeichnete US-amerikanische GENIUS Act verpflichtet Stablecoin-Emittenten mit mehr als 50 Milliarden Dollar im Umlauf zu jährlichen GAAP-Abschlüssen, geprüft von einer registrierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Tether überschreitet diese Schwelle mit rund 184 Milliarden Dollar und knapp 59 Prozent Marktanteil unter allen Stablecoins bei weitem.
Trotz des Meilensteins hält Tether den vollständigen Prüfbericht bislang unter Verschluss. Institutionelle Investoren dürften auf Einsicht in Prüfungsumfang, Bewertungsannahmen und Erläuterungen drängen. Ob Tether die jährliche Vollprüfung auch über 2025 hinaus fortführt und den Detailgrad der Offenlegung ausweitet, gilt als entscheidender Gradmesser für die Glaubwürdigkeit des Transparenzversprechens.




