Nur Tage nach verspäteten Gewinnausschüttungen verlassen laut einem AFR-Bericht drei Partner die skandalgeplagte KPMG Australia, darunter ein Mitglied des australischen Boards.
Die Kolumne Street Talk der Australian Financial Review berichtet unter dem Datum des 22. September, dass gleich drei Partner KPMG Australia in Richtung des Beratungshauses Alvarez & Marsal verlassen. Prominentester Name ist Andrew O'Connor, der nach knapp neun Jahren geht und im Board sitzt, wo er für die Bereiche Engineering, Asset Management und Projektabwicklung verantwortlich zeichnet. Auffällig ist das Timing: Erst am Freitag zuvor hatten die Partner ihre verspäteten Gewinnanteile für das zurückliegende Geschäftsjahr erhalten. Solche Ausschüttungen folgen normalerweise dem regulären Prüfungszyklus; dass sie sich mitten in einem Governance-Umbau verzögerten, verweist darauf, wie tief der Skandal die internen Abläufe erschüttert hat. Weder KPMG noch Alvarez & Marsal äußerten sich, und auch zu Mandatsübergaben oder dem genauen Zeitpunkt der Wechsel schwieg der Bericht.
In einer Prüfungs- und Beratungsgesellschaft sind unterschriftsberechtigte Partner das eigentliche Produkt, weshalb Abgänge in den oberen Rängen unmittelbar auf Kapazität und Glaubwürdigkeit durchschlagen. Ein Haus, das parallel mit Aufsichtsbehörden verhandelt und seine Führung neu ordnet, hat wenig Spielraum, solche Verluste aufzufangen, zumal in beratungsnahen Sparten wie O'Connors Engineering-Praxis. Für Mandanten stellt sich vor allem die Frage der Kontinuität: Infrastruktur- und Asset-Management-Projekte laufen über Jahre, und ein Partnerwechsel mitten im Mandat zieht regelmäßig Zustimmungs- und Übergabegespräche nach sich.
Auslöser der Krise waren im März öffentlich gewordene Vorwürfe, KPMG habe vertrauliche Board-Unterlagen von Lendlease genutzt, um Angebote für große Prüfmandate zu untermauern. In der Folge traten bis Juni CEO, Prüfungschef, Chairman Martin Sheppard sowie die Partner Paul Rogers und Eileen Hoggett zurück; gegen die beiden Letztgenannten ermittelt die Aufsicht weiter. Belegt sind bislang allein die Rücktritte, das Interesse der Regulierer und die Zusage eines unabhängigen Chairmans, während die Lendlease-Vorwürfe unbewiesen bleiben. Die nun gemeldeten Abgänge fügen sich plausibel in dieses Bild, stützen sich aber auf eine einzige Quelle.




