Der neue Porsche-Deal mit der IG Metall gilt als vergleichsweise moderater Kompromiss und bringt VW-Konzernchef Oliver Blume unter Druck. Die verlängerte Standortgarantie bei Porsche dürfte die Debatte um ähnliche Zusagen bei VW neu entfachen.
Der Porsche-Deal mit der IG Metall liest sich in einer ersten Bilanz wie ein Sieg nach Punkten für die Gewerkschaft: Anerkennungsprämie, Standortsicherung, Homeoffice, lang ist die Liste der Zugeständnisse. Das heißt allerdings nicht, dass die Beschäftigten ungeschoren davonkommen: 5.000 weitere Stellen werden sozialverträglich abgebaut, Tariferhöhungen fallen geringer aus, vor allem im Management gibt es Einschnitte, auch das Weihnachtsgeld wird gekürzt. Gemessen an der Größenordnung der Krise wirkt das Paket dennoch moderat. Vor allem die Entscheidung, die Standortsicherung in Deutschland um fünf Jahre bis Ende 2035 zu verlängern, sticht heraus. Wer die Debatten bei Continental, Mercedes, Ford und anderswo verfolgt, erkennt schnell: Porsche hat sich für einen vergleichsweise sanften Weg entschieden. Interessanter als die Details des Deals ist die Architektur, auf der die Einigung beruht. Bemerkenswert ist etwa, dass ausgerechnet die Familien Porsche und Piëch, die auch bei Volkswagen den Ton mit angeben, den Kompromiss mittragen. Lange galt der Clan als Verfechter maximaler Einschnitte, nun scheint zumindest im Fall Porsche die Erkenntnis gereift zu sein, dass sich ein tiefgreifender Umbau gegen die Arbeitnehmer doch nicht so leicht durchsetzen lässt.
Für Porsche mag das der richtige Weg sein, Volkswagens Vorstand bringt der Deal dagegen in die Bredouille. Dort sollen eigentlich Werke geschlossen oder zumindest umgewidmet werden. Nun dürften die Arbeitnehmer in Wolfsburg künftig als Erstes fragen, warum bei Porsche eine Standortsicherung bis Ende 2035 gilt, bei ihnen aber nicht. Entsprechend schwer tat sich VW-Konzernchef Oliver Blume, lange selbst Porsche-Chef, als er anlässlich der Halbjahreszahlen auf seinen alten Arbeitgeber angesprochen wurde. Jede Marke befinde sich in einer anderen Situation, sagte Blume. Am Ende müsse jeder seinen Beitrag zum Gruppenziel leisten. Auf die Frage nach längeren Standortgarantien für VW wich er aus, dennoch dürfte die Diskussion darum genau jetzt beginnen. Der Porsche-Deal verschiebt die Maßstäbe im gesamten Konzern.




