Das Europäische Parlament hat den Zollkodex grundlegend reformiert. Plattformen werden künftig zu Importeuren, eine neue Zollbehörde entsteht in Lille, und für Direktbestellungen aus Nicht-EU-Ländern wird eine Bearbeitungsgebühr fällig.
Kern der am 16. September 2026 beschlossenen Reform ist eine neue Verantwortungsverteilung im grenzüberschreitenden E-Commerce. Wer als Verkäufer oder Plattform den Fernabsatz von Waren aus Drittländern direkt an EU-Kunden ermöglicht, gilt künftig selbst als Importeur. Damit gehen weitreichende Pflichten einher: Die Betreiber müssen den Zollbehörden sämtliche erforderlichen Daten liefern, anfallende Gebühren entrichten oder absichern und dafür einstehen, dass die nach Europa versandten Waren den EU-Vorschriften entsprechen. Flankiert wird das durch eine neue Bearbeitungsgebühr, die für jeden Artikel anfällt, der in einem Shop außerhalb der EU gekauft und direkt an Verbraucher geschickt wird. Sie soll die stetig wachsenden Kosten für die Abfertigung der enormen Zahl an Einzelpaketen decken.
Nicht alle Neuerungen bedeuten zusätzliche Last. Import- und Exportunternehmen, die sich regelkonform verhalten und transparent mit den Zollbehörden zusammenarbeiten, sollen von einem vereinfachten „Vertrauens- und Kontrollsystem“ profitieren. Der Gesetzgeber koppelt damit erleichterte Abläufe und eine schlankere IT-Anbindung an nachweisliche Verlässlichkeit, ein Anreiz, der Compliance belohnt, statt sie nur zu erzwingen.
Institutionell schafft die Reform mit der EUCA im französischen Lille eine eigene EU-Zollbehörde, die zügig ihre volle Arbeitsfähigkeit erreichen soll. Ihre Kernaufgaben liegen in der Koordinierung der künftigen Zollzusammenarbeit, im Risikomanagement und in der Verwaltung des zentralen Datenportals. Herzstück der digitalen Infrastruktur ist der EU Data Hub, ein europaweites IT-System für den Zoll, das die EUCA verantwortet. Ab 2031 lässt es sich zunächst freiwillig nutzen, ab 2034 wird die Anbindung verpflichtend. Für Unternehmen im internationalen Warenverkehr beginnt damit eine mehrjährige Übergangsphase, in der sich Prozesse und Systeme frühzeitig auf das neue Regime ausrichten lassen.




