Nach dem dramatischen Kurssturz eines australischen Reisekonzerns rückt neben dem Unternehmen selbst auch dessen früherer Prüfer PwC ins Zentrum juristischer Ermittlungen.
Die Kanzlei Phi Finney McDonald prüft nach eigenen Angaben bereits weit fortgeschritten eine mögliche Anlegersammelklage gegen Corporate Travel Management (CTM) und dessen ehemaligen Abschlussprüfer PwC Australia. Auslöser ist ein spektakulärer Absturz an der Börse. Nach dreizehn Monaten Handelsaussetzung kehrte die CTM-Aktie in der Vorwoche an die ASX zurück und brach am ersten Handelstag um 86 Prozent ein. Am selben Tag legte der Konzern seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 vor, die mit einem Umsatzplus von vier Prozent auf 669,9 Millionen und einem um 36 Prozent gestiegenen operativen Ergebnis eigentlich Erholung signalisierten.
Im Kern soll die Klage geltend machen, dass CTM seine Aktionäre über Jahre hinweg mit irreführenden Bilanzen getäuscht und damit gegen den Corporations Act verstoßen habe. Konkret geht es um eine falsche Anwendung des Standards zur Umsatzrealisierung, indem Erlöse über den vertraglichen Anspruch hinaus verbucht und Rückerstattungsverpflichtungen nicht ausgewiesen worden seien. PwC wiederum soll seine Prüferpflichten verletzt haben, weil das Haus nach den Vorwürfen nicht genügend Prüfungshandlungen vornahm und zu wenig Nachweise sammelte, um sein Testat überhaupt tragen zu können. Für Roop Sandhu, führender Anwalt der Kanzlei, dürften Anleger zu Recht darauf vertrauen, dass Abschlüsse ein wahrheitsgetreues Bild liefern und ein Prüfer die gesetzlichen Standards einhält.
Gewicht erhält die Ankündigung durch den Ruf der Kläger. Phi Finney McDonald setzte zuletzt im Juli eine Sammelklage zu unterbezahlten Beschäftigten von Domino's durch und einigte sich Ende 2025 mit BHP im Zusammenhang mit dem tödlichen Dammbruch von Fundão auf eine bedingte Zahlung von 110 Millionen. Für PwC Australia, ohnehin durch frühere Skandale vorbelastet, käme ein solches Verfahren zur juristisch heiklen Unzeit.




