Der US-Finanzinvestor Warburg Pincus hat von der Bundesregierung die Genehmigung erhalten, den Berliner Softwareentwickler PSI zu übernehmen. Alle regulatorischen Freigaben liegen vor; die Übernahme im Rahmen einer Public-to-Private-Transaktion soll innerhalb der nächsten zehn Tage abgewickelt werden.
PSI gilt als SAP der Energiebranche: Das Unternehmen ist europäischer Marktführer bei Netzleitsystemen für Strom, Gas, Wärme, Öl und Wasser. Rund 90 % aller großen und mittleren Strom- und Gasnetzbetreiber in Deutschland nutzen PSI-Software. Als Entwickler für kritische Infrastruktur zog die Übernahme durch einen ausländischen Investor eine vertiefte Investitionsprüfung durch das Bundeswirtschaftsministerium nach sich. Sicherheitspolitiker und Verfassungsschützer hatten Bedenken geäußert; der Vorsitzende des Geheimdienste-Kontrollgremiums im Bundestag sah die Transaktion als strategisches Risiko.
Warburg Pincus hatte im Oktober 2025 angekündigt, PSI übernehmen zu wollen. Der Finanzinvestor bietet den Aktionären 45 Euro pro Aktie und hat sich inzwischen 82 % der Anteile gesichert. Derzeit ist PSI an der Börse rund 720 Millionen Euro wert. Bei der Genehmigung dürfte auch geholfen haben, dass Warburg Pincus mit René Obermann, dem früheren Telekom-Chef und designierten Aufsichtsratsvorsitzenden bei SAP, einen der profiliertesten Manager Deutschlands als Chairman des Europageschäfts beschäftigt. PSI gilt als Testfall dafür, ob die Bundesregierung Übernahmen kritischer Infrastruktur durch US-Investoren angesichts des angespannten transatlantischen Verhältnisses differenzierter bewertet.
Es dürfte nicht das letzte Engagement von Warburg Pincus in sensiblen Bereichen der deutschen Wirtschaft bleiben. Der US-Finanzinvestor hat gemeinsam mit dem Vermögensverwalter der Munich Re, Meag, angekündigt, ein Anlagevehikel für Investitionen in Europas Rüstungsbranche aufzulegen.




