Beratungsbranche unter KI-Druck

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June 15, 2026
16.06.2026
3 Minuten Lesezeit

Was früher Wochen dauerte und sechsstellige Summen verschlang, schafft ein KI-Werkzeug heute in 24 Stunden. Für die Beratungsbranche stellt sich die Frage, womit sie künftig ihre vierstelligen Stundensätze rechtfertigen will.

Wer macht später die Vorstandsberatung?

Nachwuchskräfte verbringen ihre ersten Berufsjahre traditionell mit dem, was Algorithmen heute in Minuten erledigen. Excel-Tabellen sortieren, Folien bauen, Recherchen aufbereiten. Jan Herrmann, Partner bei PwC, beschreibt den daraus folgenden Wandel mit einem Bild: Die typische Personalpyramide verformt sich zu einem Diamanten, schmaler oben und unten, dicker in der Mitte. Wer aber soll später hochkomplexe Mandate bei Vorstandsmitgliedern bearbeiten, wenn die Schule der vielen kleinen Aufgaben fehlt? Eine überzeugende Antwort liegt bislang nicht vor.

Pflicht zum Werkzeug

Bernhard Braunmüller, Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberatungen, formuliert es scharf: Wer ohne KI-Werkzeuge beim Mandanten erscheine, wirke heute so antiquiert wie jemand, der mit der Kutsche vorfährt. Ergänzend mahnt er allerdings auch zu Fairness in der Preisdebatte. Effizienzgewinne entstünden nicht zum Nulltarif. Lizenzgebühren, Entwicklungsarbeit und interne Investitionen müssten irgendwie gedeckt werden.

Pricing-Modelle im Umbruch

Während Branchenvertreter über Karrierewege streiten, arbeiten Häuser bereits an neuen Abrechnungssystemen. PwC erprobt das sogenannte Outcome-based Pricing, bei dem nicht die geleisteten Stunden zählen, sondern das erzielte Geschäftsergebnis. Honorare orientieren sich dann etwa an EBIT-Verbesserungen oder konkret eingesparten Beträgen. Bei Deloitte spricht Jan-Niklas Keltsch, dort verantwortlich für KI im Consulting, vom nahen Ende der Stundenhonorare als einer von mehreren unausweichlichen Wahrheiten der neuen Beraterwelt.

Was die Werkzeuge können

Die nüchternen Zahlen liefern den Hintergrund für all diese Diskussionen. Bei der Boston Consulting Group hat eine Studie ergeben, dass Berater mit KI-Assistenz bei komplexen Aufgaben deutlich besser abschneiden und gleichzeitig schneller arbeiten. Fast 70 Prozent der deutschen Beratungshäuser sehen in der Technologie inzwischen den wichtigsten Wachstumstreiber. Praktisch wird das beim Werkzeug Aiguro deutlich, das PwC gemeinsam mit dem Anbieter Valuedesk entwickelt hat. Beim Performance Summit in Bielefeld brachte Herrmann das Tempo auf den Punkt: Wo früher Wochen veranschlagt und sechsstellige Summen aufgerufen wurden, soll die Lösung nun einen Tag brauchen. Mit ebenso bemerkenswerter Offenheit räumte er ein, sein Haus zerlege damit das eigene Geschäftsmodell.

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