Dan Diasio, weltweit für KI-Beratung bei EY zuständig, warnt Konzerne davor, in der neuen Technologie vor allem eine Maschine zur Kostenreduktion zu sehen. Wachstum sei das wesentlich lohnendere Ziel.
Wenn Vorstandschefs Personalabbau verkünden und das mit Effizienzgewinnen durch KI begründen, jubelt der Aktienmarkt. Dan Diasio hält diese Reflexe für kurzsichtig. In einem Gespräch mit Business Insider macht er deutlich, dass die Konzentration auf Einsparungen den geringsten Ertrag bringe, den künstliche Intelligenz überhaupt liefern könne. Sein Argument: KI verkürzt zwar die Zeit, die für eine Aufgabe benötigt wird. Doch die Aufgabe selbst, und damit oft auch die Stelle, verschwindet deshalb nicht.
Diasio bestreitet nicht, dass KI Effizienzgewinne ermöglicht. Bei EY beobachte er, wie Programmierer durch die neuen Werkzeuge deutlich schneller arbeiten. Doch selbst hier zeige sich der Unterschied zwischen Produktivität und Kostensenkung. Was bleibt, sind Aufgaben, die Urteilsvermögen, Architekturkenntnis und Verantwortung verlangen.
Eine weitere Sorge Diasios betrifft die Stimmung in den Belegschaften. Wenn Beschäftigte den Eindruck bekommen, KI sei vor allem ein Instrument zur Personalstraffung, blockiert das ihre Bereitschaft, an der Neugestaltung der Arbeit mitzuwirken.
Aus Diasios Sicht liegt der wahre Hebel woanders. Neue Geschäftsmodelle, neue Märkte, neue Produkte: Hier sei die Grenze des Möglichen nicht absehbar. Die spannendere Frage sei nicht, ob KI eine bestimmte Aufgabe übernehmen könne, sondern ob ein Unternehmen seine Arbeitsabläufe um diese Möglichkeit herum neu denke. Wer KI primär als Wachstumstreiber begreift, gewinnt aus seiner Sicht doppelt. Mitarbeiter empfinden die Technologie weniger als Bedrohung und das Unternehmen kann sich strategisch besser positionieren.




