Trotz medialer Aufregung und technischer Marktschwäche durch Retail-Abflüsse bleiben die Fundamentaldaten im Private-Credit-Markt laut Vivek Bantwal, Global Co-Head of Private Credit bei Goldman Sachs Asset Management, intakt.
Private Credit bekommt derzeit viel Medienaufmerksamkeit, nicht immer differenziert, wie Bantwal feststellt: "Private Credit ist sicherlich gerade in aller Munde, nicht immer auf nuancierte oder akkurate Weise." Tatsächlich zieht ein Teil der Retail-Investoren Kapital ab, was technische Schwäche und steigende Spreads erzeugt. Der Hintergrund: Die Assetklasse war in den vergangenen Jahren zunehmend über Business Development Companies und sogenannte semiliquide Evergreen-Strukturen für Privatanleger geöffnet worden. Bantwal warnt, dass diese Vehikel bei manchen Investoren ein vereinfachtes Verständnis ihrer tatsächlichen Liquiditätseigenschaften erzeugt haben könnten. Dabei seien diese Investments stets für den illiquiden Teil eines Portfolios gedacht gewesen. Defaults und überfällige Kredite liegen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Kreditmarkt weiterhin auf relativ niedrigem Niveau; Kreditnehmer zeigen zweistelliges Wachstum bei Umsatz und EBITDA sowie steigende Zinsdeckungsgrade.
Ein zentrales Risikothema ist die Exposition gegenüber Software- und Technologieunternehmen, die durch KI-Disruption unter Druck geraten könnten. Manche Manager halten bis zu 25 bis 30 Prozent ihres Portfolios in diesem Segment. Bantwal gibt jedoch Entwarnung für Senior-Lender: Bei einer Kreditvergabe zum Sechsfachen des EBITDAs und einer ursprünglichen Unternehmensbewertung von 24x EBITDA bleibt auch bei einer Halbierung der Bewertung ausreichend Puffer für die Bedienung der Schulden. Entscheidend sei das Underwriting: Unternehmen mit proprietären Daten, langfristigen Kundenbeziehungen oder missionskritischer Funktion seien deutlich resilienter als andere. Systemisches Risiko sieht Bantwal nicht: Der Markt von 1,5 bis 2 Billionen US-Dollar ist breit gestreut, Leverage-Verhältnisse liegen bei etwa eins zu eins, und geschlossene Fondsstrukturen verhindern schnelle Abflüsse.




