Wenn die Big Four selbst der KI auf den Leim gehen

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June 12, 2026
12.06.2026
3 Minuten Lesezeit

Erst KPMG, davor EY und Deloitte: Die großen Wirtschaftsprüfungshäuser haben in den vergangenen Monaten mehrfach Berichte mit erfundenen Zitaten veröffentlicht. Es handelt sich ausgerechnet um jene Häuser, die ihren Mandanten KI-Steuerung verkaufen wollen.

Peinlicher Befund

Die jüngste Episode betrifft KPMG. Wie die Financial Times am 12. Juni berichtete, hat das Haus eine im Oktober erschienene Studie mit dem Titel Redefining excellence in the age of agentic AI zurückgezogen. Anlass war eine Untersuchung durch das Analysewerkzeug GPTZero, die mehrere erfundene Fallbeispiele aufdeckte. Konkret ging es um angebliche KI-Projekte bei UBS, dem britischen Gesundheitsdienst, den Schweizerischen Bundesbahnen und Transport for London.

Reihe wird länger

Bereits im Mai hatte EY Canada eine Untersuchung zu Cyberbedrohungen vom Netz genommen. Auch dort fanden Außenstehende erfundene Fußnoten und sogar einen angeblichen McKinsey-Report, den es nie gegeben hatte. Das Dokument war bereits in Vertriebsgesprächen genutzt worden, bevor irgendjemand die Zitate prüfte. Deloitte wiederum musste in Australien einen Teil eines Beratungshonorars zurückzahlen. Für 440.000 australische Dollar hatte das Haus einen Bericht zur Überprüfung des Targeted Compliance Framework angefertigt. Ein Wissenschaftler der Universität Sydney fand fingierte Quellenangaben. In der überarbeiteten Fassung räumte die Firma ein, dass Azure OpenAI GPT-4o zum Einsatz gekommen war.

Eigene Warnungen ignoriert

Besonders kurios wirkt der KPMG-Fall vor dem Hintergrund einer hauseigenen Forschungsarbeit. Eine Befragung mit 48.340 Teilnehmern ergab: 56 Prozent der Beschäftigten machen wegen KI Fehler, 66 Prozent verwenden KI-Ausgaben ohne Prüfung. KPMG hat also genau das Verhalten beschrieben, das die eigenen Pannen erst ermöglicht.

Konsequenzen für Mandanten

Für Unternehmen ergibt sich eine unbequeme Lehre. Das Logo auf dem Bericht ersetzt keine eigenständige Prüfung. Berichte, an denen generative KI mitgewirkt hat, brauchen Offenlegung und nachvollziehbare Quellenketten. Wer als Beratungshaus glaubwürdig bleiben will, muss zeigen, wie KI-Ausgaben kontrolliert werden, bevor sie veröffentlicht werden.

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