H&M und EY fordern Finanzvorstände auf, Dekarbonisierung endlich mit Budget zu unterlegen. Ein gemeinsamer Report zeigt, wie ernst es die Branche meint.
Die Nachhaltigkeitsabteilung kann noch so ambitionierte Ziele formulieren. Ohne Geld vom Finanzressort bleiben sie Papiertiger. Diese Erkenntnis zieht sich durch einen Report, den H&M und EY Mitte März veröffentlicht haben. Die Stoßrichtung ist klar: Klimaschutz gehört nicht in die Kommunikationsabteilung, sondern in die Investitionsplanung. Adam Karlsson, Finanzchef bei H&M, untermauert den Appell mit harten Zahlen. Sein Konzern gibt jährlich rund drei Milliarden Schwedische Kronen für die Emissionsreduktion in der Lieferkette aus. 2024 entsprach das etwa 170 Millionen Dollar. Hinzu kommt die führende Rolle beim Fashion Climate Fund, einem 250-Millionen-Dollar-Topf für die Branche. Karlsson sieht seine Zunft in einer neuen Verantwortung: Finanzvorstände müssten Ziele nicht mehr diskutieren, sondern durch kluge Kapitalallokation Realität werden lassen.
Parallel verschärft die Science Based Targets Initiative ihre Anforderungen. Der kommende Net-Zero-Standard 2.0 gibt Unternehmen nur noch ein Jahr Zeit, nach einer Selbstverpflichtung konkrete Ziele nachzureichen. Weitere zwölf Monate später muss ein vollständiger Transitionsplan vorliegen. Im Fokus stehen die Scope-3-Emissionen, also jene, die bei Zulieferern entstehen und den größten Teil des Fußabdrucks ausmachen. Auch Investoren justieren nach. Die Net-Zero Asset Owner Alliance verwaltet über neun Billionen Dollar und hat ihr Bewertungsprotokoll erweitert. Neu ist eine Kategorie für Transitionsziele. Das bedeutet: Statt emissionsintensive Beteiligungen abzustoßen, können Geldgeber nun Transformationspfade begleiten, wenn diese glaubwürdig sind. Die Prüfung wird granularer, pauschale Urteile weichen differenzierter Analyse.
Die Lieferkette bleibt die Achillesferse. Hersteller in Asien oder Osteuropa können Investitionen in grüne Technologien oft nicht stemmen. Anna Ryott, Nordic Chief Impact Officer bei EY, wirbt deshalb für gemeinsame Finanzierungsmodelle. Marken, Banken und staatliche Stellen müssten an einem Strang ziehen. Der Logistikkonzern DP World experimentiert bereits: Auf europäischen Schifffahrtsrouten läuft ein Carbon-Inset-Programm, das Kunden automatisch Gutschriften für ihre Scope-3-Bilanz einbringt. Die europäische Berichtspflicht setzt den Rahmen. Unternehmen müssen künftig prüfbare Transitionspläne vorlegen. Wer keine finanziell hinterlegte Strategie präsentieren kann, riskiert mehr als Imageschäden. Der Zugang zu Kapital steht auf dem Spiel. Der Net-Zero-Fahrplan wird damit zur Eintrittskarte für jedes Geschäftsmodell, das auch in zehn Jahren noch funktionieren soll.




