Der Software-Konzern eröffnet einen Flagship-Store in New York. KI erledigt die Routinearbeit, Menschen übernehmen die komplexen Fälle.
Jahrzehntelang lebte Intuit davon, Menschen den Gang zum Steuerberater zu ersparen. Jetzt mietet der Konzern Ladenfläche im teuersten Pflaster New Yorks. Am Broadway in Soho empfängt seit kurzem ein Flagship-Store Kunden, die ihre Steuererklärung nicht mehr alleine machen wollen. Der Widerspruch ist gewollt: Wer digitale Tools verkauft, muss beweisen, dass dahinter mehr steckt als Code. Gensler hat den Raum entworfen, und das sieht man. Nichts erinnert an die Tristesse klassischer Steuerberatungsbüros. Eine zehn Meter lange LED-Wand schlängelt sich durch den Raum, Sitzmöbel laden zum Verweilen ein, Schreibtische stehen offen wie in einem Coworking-Space. Für vertrauliche Gespräche gibt es abgeschirmte Kabinen. Die Botschaft: Finanzen sind kein notwendiges Übel, sondern Teil eines modernen Lebensstils.
Bevor ein Kunde den Laden betritt, hat Intuits KI bereits Arbeit geleistet. Das System erfasst Daten, sortiert Belege, füllt Formulare aus. Einfache Fälle sind quasi fertig, wenn der Termin beginnt. Ein Algorithmus schlägt den passenden Berater vor, abgestimmt auf Komplexität und Fachgebiet. Wer mag, arbeitet gemeinsam mit dem Experten am Bildschirm. Wer keine Lust hat, gibt alles ab und holt nur noch die Unterschrift. Die Forum-Zone mit ihrer riesigen LED-Wand dient nicht nur der Dekoration. Intuit zeigt dort, was Algorithmen können und wo sie an Grenzen stoßen. Workshops, Schulungen und Veranstaltungen sollen den Laden zum ganzjährigen Treffpunkt machen. Die Idee: Steuerberatung endet nicht am 15. April, sondern begleitet Kunden durch das ganze Finanzjahr.
Der Flagship-Store ist nur der Anfang. Intuit plant 600 Beratungszentren und 20 weitere Filialen in den gesamten USA. Das Unternehmen will sich vom Softwareverkäufer zum Finanzpartner wandeln, der digital und analog gleichermaßen präsent ist. Ob Kunden das annehmen, bleibt abzuwarten. Der Versuch, aus einer App eine Marke zum Anfassen zu machen, ist jedenfalls ambitioniert.




