Ist die Mansfield Rule am Ende?

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February 19, 2026
22.02.2026
2 Minuten Lesezeit

Der politische Druck der Trump-Regierung zeigt Wirkung: Ein zentrales Diversity-Instrument der US-Anwaltswelt wird auf Eis gelegt.

Ein Programm verliert seinen Rückhalt

Was einmal als Branchenstandard galt, steht heute vor dem Aus. Die Mansfield Rule, entwickelt von der Organisation Diversity Lab, hat in der US-amerikanischen Anwaltswelt mehr als 360 Kanzleien mobilisiert, Beförderungs- und Einstellungsprozesse transparenter und inklusiver zu gestalten. Der Kern der Initiative war dabei klar definiert: Mindestens 30 Prozent der in Auswahlverfahren berücksichtigten Kandidaten sollten aus unterrepräsentierten Gruppen stammen. Keine Quoten, keine Pflichten, sondern ein freiwilliger Rahmen.

Wenn Briefe Wellen schlagen

Die Zäsur kam im Januar, als Andrew Ferguson, Vorsitzender der Federal Trade Commission, mehr als 40 Großkanzleien ein Schreiben zukommen ließ. Der Inhalt war unmissverständlich: Die Teilnahme an der Mansfield Rule wurde kritisch bewertet. Was folgte, beschreibt Gründerin Caren Ulrich Stacy als eine Welle von Bedenken aus der eigenen Mandantschaft. Hunderte besorgte Rückmeldungen erreichten die Organisation, und die Betriebsmittel von Diversity Lab schwanden rapide. Das Ergebnis ist ein Einschnitt, der in seiner Konsequenz kaum zu überschätzen ist: Der Großteil der Belegschaft wurde beurlaubt, der laufende Betrieb auf Ulrich Stacy selbst und eine Teilzeitkraft reduziert.

Rechtlich sauber, politisch toxisch

Besonders aufschlussreich ist der Zeitpunkt dieser Entwicklung. Eine US-Bundesrichterin hatte bereits im Frühjahr 2025 ausdrücklich festgestellt, dass die Mansfield Rule keine diskriminierenden Einstellungsquoten vorschreibt und damit rechtlich einwandfrei ist. Diese Einschätzung hat den Druck aus Washington jedoch nicht abgemildert. In einem politischen Klima, in dem Diversity-Programme generell unter Beschuss stehen, reicht ein juristisches Unbedenklichkeitsurteil offenbar nicht aus, um institutionelle Nervosität zu dämpfen.

Kanzleien suchen Distanz

Der Dominoeffekt in der Kanzleiwelt ist bereits spürbar. Goodwin Procter hatte die Teilnahme an der Mansfield Rule bereits im März 2025 beendet, nachdem die Equal Employment Opportunity Commission Ermittlungen gegen Kanzleien mit Diversity-Engagement eingeleitet hatte. Dass diese Verfahren schließlich ohne Konsequenzen eingestellt wurden, änderte an der Grundhaltung vieler Häuser wenig. Hogan Lovells folgte zuletzt: CEO Miguel Zaldivar erklärte in dieser Woche, dass seine Kanzlei die Mansfield-Umfrage künftig nicht mehr ausfüllen werde.

Was bleibt

Die Pause von Diversity Lab ist mehr als ein operativer Rückzug. Sie markiert einen Einschnitt in der Frage, wie weit externe Programme in die Personalpolitik von Anwaltskanzleien hineinwirken können, wenn das politische Umfeld kippt. Für Rechts- und Compliance-Verantwortliche in internationalen Kanzleien stellt sich damit eine zunehmend dringliche Frage: Wie zukunftsfest sind Diversity-Commitments, die auf freiwilliger Basis und ohne regulatorischen Rückhalt funktionieren?