Der Staatsfonds Kenfo hebt seine Investitionsbeschränkungen für Rüstungsaktien und -anleihen weitgehend auf. Vorstandschefin Anja Mikus begründet den Schritt mit der veränderten geopolitischen Sicherheitslage in Europa.
Bislang galten Unternehmen, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit Rüstung erwirtschaften, für den Kenfo bei Aktien und Anleihen als Tabu. Diese Grenze fällt nun. „Bei liquiden Anlagen darf der Kenfo jetzt auch in Rüstungsunternehmen investieren", sagte Vorstandschefin Anja Mikus im Bloomberg-Interview. Die Neuregelung gilt für Unternehmen aus der EU sowie aus Großbritannien, Norwegen und der Schweiz, was laut Mikus mit Mindeststandards bei den Ausfuhrkontrollen zusammenhängt. Investitionen in Hersteller kontroverser Waffen wie Streubomben bleiben verboten.
Der Wandel beim Kenfo ist kein Einzelfall: Zahlreiche Investoren, Asset Manager und Banken, die Rüstungsunternehmen lange aus Reputations- und Nachhaltigkeitsgründen gemieden hatten, überdenken ihre Position. Mikus formuliert es klar: „Wir halten Rüstung weiter für nicht nachhaltig, aber sie ist aufgrund einer veränderten Sicherheitslage notwendig geworden. Deutschland kann nicht seine Rüstungsausgaben hochfahren und wir als deutscher Staatsfonds verweigern uns dem Thema." Der Ukraine-Krieg und Unklarheiten über die künftige NATO-Rolle der USA gelten als zentrale Treiber des Umdenkens.
Der Kenfo wurde 2017 mit einem Startkapital von 24,1 Milliarden Euro gegründet und verwaltet aktuell rund 25,6 Milliarden Euro. Seine Aufgabe: langfristig ausreichend Rendite erwirtschaften, um die Zwischen- und Endlagerung radioaktiven Abfalls aus deutschen Atomkraftwerken zu finanzieren. Mikus betont, dass der Fonds keinen Förderauftrag erhalten hat, in Rüstungstitel zu investieren. Die externen Asset Manager entscheiden, ob Engagements im Verteidigungssektor aus Renditegesichtspunkten sinnvoll sind. Bis Mitte 2026 rechnet Mikus mit einem spürbar erhöhten Rüstungsexposure im Portfolio.




