Die Abwickler des kollabierten chinesischen Immobilienkonzerns verlangen eine gerichtliche Überprüfung der Vereinbarung zwischen der Hongkonger Wertpapieraufsicht und PwC. Im Streit steht ein Entschädigungstopf von umgerechnet rund 128 Millionen Dollar.
Was im April als Schlussstrich gedacht war, könnte vor Gericht aufgerollt werden. Die Liquidatoren von Evergrande wollen die Vereinbarung zwischen der Hongkonger Wertpapieraufsicht SFC und der dortigen PwC-Niederlassung überprüfen lassen. Die SFC hatte ihre Untersuchung zur Prüfungsarbeit von PwC für den geplatzten Immobilienkonzern mit einer Zahlung von einer Milliarde Hongkong-Dollar an die Aktionäre beendet. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf Gerichtsunterlagen.
Im Zentrum der juristischen Auseinandersetzung steht eine Grundsatzfrage: Darf eine Aufsichtsbehörde überhaupt einen Marktmissbrauchsfall auf diese Weise mit einem nicht regulierten Unternehmen wie PwC Hongkong beilegen? Genau diese gesetzliche Grundlage wird von den Abwicklern angezweifelt. Sie argumentieren, der SFC fehle die Kompetenz, einen solchen Vergleich zu schließen.
Der zweite Streitpunkt liegt in den wirtschaftlichen Folgen. Wenn das Geld direkt an Aktionäre fließt, schrumpft die Summe, die für die Gläubiger zur Verteilung bleibt. Aus Sicht der Liquidatoren benachteiligt die Konstruktion damit jene, deren Forderungen sie eigentlich durchsetzen sollen. Eine Stellungnahme von Evergrande lag zunächst nicht vor.
Der Hintergrund ist gewichtig. Evergrande gilt als prominentestes Opfer der langwierigen Immobilienkrise in China. Seit 2021 konnte der Konzern Anleihen nicht mehr bedienen, am Ende stand ein Schuldenberg von über 300 Milliarden Dollar. Die Prüfungsarbeit, die PwC in den Geschäftsjahren 2019 und 2020 leistete, gerät seither immer wieder in den Blick der Aufsichtsbehörden. Mit dem aktuellen Antrag der Liquidatoren bekommt der Fall eine neue juristische Dimension, die den Beratungsriesen über Monate weiter beschäftigen dürfte.




