Die Studie zeigt: Nordeuropa führt, Deutschland hinkt hinterher. Entscheidend ist nicht die Technik, sondern der Alltagsnutzen.
Was in Estland längst Alltag ist, bleibt anderswo Zukunftsmusik. PwC hat sich angeschaut, wie weit Staaten rund um den Globus beim Thema digitale Identität gekommen sind. Die Spannbreite überrascht: In manchen Ländern nutzen über 90 Prozent der Bevölkerung ihren elektronischen Ausweis regelmäßig. Anderswo dümpelt die Quote im einstelligen Bereich.
Finnland, Dänemark, Norwegen und Schweden haben den digitalen Ausweis ins tägliche Leben eingewoben. Bankgeschäfte, Arztbesuche, Versicherungen, Behördenkontakte: Überall greift dieselbe Infrastruktur. Wer etwas unterschreiben muss, zückt das Handy statt den Kugelschreiber. Estland gilt seit Jahren als Blaupause und zeigt, dass auch kleine Länder Großes bewegen können.
Deutschland steht vor einem Paradox. Die technischen Voraussetzungen existieren, doch kaum jemand macht davon Gebrauch. PwC sieht das Problem nicht in der Skepsis der Bürger. Es fehlen schlicht Gelegenheiten, bei denen der digitale Ausweis einen echten Unterschied macht. Solange der Gang zum Amt einfacher erscheint als die App, bleibt die Infrastruktur ungenutzt.
Die Studie filtert vier Bausteine heraus. Klare Spielregeln bei Verantwortung und Haftung schaffen Verlässlichkeit. Offene Schnittstellen sorgen dafür, dass sich Dienste verknüpfen lassen. Datenschutz und Transparenz bauen Vertrauen auf. Und schließlich entscheidet der praktische Nutzen: Systeme setzen sich durch, wenn sie im Alltag unverzichtbar werden.
Die europäische EUDI Wallet soll den Flickenteppich nationaler Lösungen zusammenführen. Nachweise, Signaturen und Identitätsprüfungen sollen künftig grenzüberschreitend funktionieren. Für Unternehmen eröffnet das Chancen: Wer Kunden schnell und rechtssicher einbinden kann, verschafft sich einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz.




