Die SAP-Aktie verliert deutlich nach Trumps neuen Zollankündigungen. Für Europas größten Softwarekonzern wird die Planungsunsicherheit zum Bewertungsrisiko.
Im DAX zählte SAP am Montag mit minus 2,6 Prozent bei 169,28 Euro zu den größten Verlierern. Der Walldorfer Softwarekonzern, mit einer Marktkapitalisierung von rund 200 Milliarden Euro das wertvollste deutsche Technologieunternehmen, spürt die Zollunsicherheit unmittelbar. SAP erzielt rund 30 Prozent seines Umsatzes in Nord- und Südamerika, der größte regionale Einzelmarkt für den Konzern. US-Präsident Donald Trump kündigte nach der Abfuhr durch das oberste US-Gericht einen weltweiten Zollsatz von zunächst 10 Prozent an, den er am Folgetag auf 15 Prozent erhöhte. Marktbeobachter sprechen von Zollchaos, das gerade exportstarken Technologieunternehmen die Planungsgrundlage entzieht.
Für SAP stellt sich die Frage, ob und wie Zölle auf Softwarelizenzen, Cloud-Services und Support-Leistungen angewendet werden. Cloud-Umsätze sind bei SAP inzwischen der dominierende Wachstumstreiber. Eine Kategorie, die in klassischen Zollregimen nicht eindeutig definiert ist. Analysten gehen davon aus, dass die 15-Prozent-Obergrenze primär auf physische Güter abzielt, doch die genaue Auslegung bleibt unklar. Für CFO Dominik Asam bedeutet das erhöhte Unsicherheit bei Umsatzprognosen und möglicherweise höhere Hedging-Kosten für Währungsrisiken. Von Zöllen besonders abhängige Branchen wie Technologie, Automobil und Chemie verbuchten am Montag Kursverluste, während defensive Sektoren wie Versorger und Telekommunikation sich besser hielten.
Commerzbank und Henkel zeigten sich mit moderaten Zuwächsen widerstandsfähiger: Die Commerzbank-Aktie legte 2,52 Prozent auf 35,36 Euro zu, Henkel gewann 0,53 Prozent auf 83,10 Euro. Die Differenzierung zwischen defensiven und zyklischen Sektoren dürfte sich in einem solchen Umfeld weiter verschärfen. Für SAP als global agierendes Technologieunternehmen mit hohem US-Exposure bedeutet das: Die Aktie wird künftig stärker auf handelspolitische Signale reagieren als auf operative Fundamentaldaten. Investoren preisen Unsicherheit ein – auch wenn die tatsächlichen Auswirkungen auf das Geschäft noch unklar bleiben.




