Vom Sprung in die digitale Finanzwelt ist wenig zu sehen

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June 22, 2026
28.06.2026
3 Minuten Lesezeit

Eine Erhebung der WHU und PwC zeichnet ein ernüchterndes Bild. Obwohl Finanzchefs ihre Digitalisierung gerne ganz vorne in ihren Prioritätenlisten führen, klafft die Lücke zur tatsächlichen Umsetzung weit auseinander.

Wenig Spezialisten, wenig Tempo

Ein zentraler Engpass zeigt sich beim Personal. Durchschnittlich 413 Mitarbeiter arbeiten in den befragten Finanzabteilungen, doch nur ein verschwindend kleiner Teil davon, nämlich rund sieben Prozent, kann mit Wissen in den Bereichen IT, Daten und Digitalisierung aufwarten. Diese begehrten Profile lassen sich am Arbeitsmarkt kaum noch finden.

Eine ganze Werkzeugkiste verstaubt

Bemerkenswert ist auch, wie selten moderne Anwendungen tatsächlich zum Einsatz kommen. Bei acht von neun abgefragten Technologien lautet die am häufigsten gewählte Antwort schlicht: nicht im Einsatz. Vorhersagewerkzeuge, Automatisierungslösungen oder Process Mining bringen es im Durchschnitt auf Werte zwischen 2 und 3,5 auf einer siebenstufigen Skala. Damit dümpeln sie im unteren Drittel der Möglichkeiten.

Auch KI bleibt häufig Nische

Beim Thema Künstliche Intelligenz öffnet sich ein weiterer Abstand. Während sich die Anwendung von Large Language Models in den Unternehmen insgesamt auf 4,1 von 7 Punkten beläuft, hinkt der Finanzbereich mit 3,8 noch zurück. Studienleiter Martin Glaum von der WHU bringt den Befund auf den Punkt: „Entscheidend wird sein, die Technologien aus der Experimentierphase herauszuführen und sie systematisch in die operativen Prozesse der Finanzfunktion zu integrieren."

Kein klarer Fahrplan

Auch wenn die Bedeutung des Themas hoch eingeschätzt wird, fehlen vielen Häusern saubere Strategiepapiere. Die Bewertung klar definierter Roadmaps fällt mit Werten unter fünf eher mau aus. Geld ist ebenfalls nicht das Problem. Rund sieben von zehn Finanzchefs gehen davon aus, dass ihnen in den kommenden Jahren mehr Budget zur Verfügung stehen wird.

Mehr Geld allein bringt nichts

Michael Schachermayr, Finance Transformation Lead bei PwC Österreich, mahnt jedoch, dass zusätzliche Mittel nicht den eigentlichen Hebel darstellen. „Der Hebel für den nächsten Produktivitätssprung liegt damit weniger in zusätzlichem Budget, sondern im gezielten Einsatz von Technologie." Wer wirklich vorankommen möchte, müsse Strategie, Werkzeuge und Kompetenzen zusammenbringen, statt isolierte Einzelprojekte zu verfolgen. Nur ein Fünftel der Befragten beschreibt das eigene Haus heute als stark digitalisiert. Genauso viele bleiben am unteren Ende.

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