Amrize wechselt zu EY in den USA

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February 26, 2026
27.02.2026
2 Minuten Lesezeit

Der aus Holcim hervorgegangene Baustoffkonzern holt sich einen amerikanischen Wirtschaftsprüfer. Die Schweizer EY-Gesellschaft gibt das Mandat ab.

Prüfung folgt dem Geschäft

Wo das operative Zentrum liegt, sollte auch die Prüfung stattfinden. Amrize Ltd. zieht diese Konsequenz und bestellt Ernst & Young LLP mit Sitz in den Vereinigten Staaten als neuen Abschlussprüfer. Der Prüfungsausschuss des Unternehmens hat die Entscheidung mit sofortiger Wirkung getroffen. Bereits die Quartalsberichte ab dem Frühjahr 2026 werden vom amerikanischen Team durchgesehen. Die bisherige Prüferin Ernst & Young AG verliert das internationale Mandat, bleibt aber nicht ganz außen vor. Nach Schweizer Recht fungiert sie weiterhin als gesetzliche Revisionsstelle. Die Trennung betrifft also nur die Prüfung nach amerikanischen Vorschriften, die für börsennotierte Unternehmen in New York maßgeblich ist. Im Sommer 2025 vollzog Amrize die Trennung vom Baustoffgiganten Holcim. Seither konzentriert sich das Unternehmen ausschließlich auf den nordamerikanischen Markt. Die Verlagerung des Schwerpunkts über den Atlantik macht einen Prüfer vor Ort sinnvoll. Amerikanische Regulierungsanforderungen, SEC-Vorgaben und US-GAAP-Bilanzierung gehören für ein New Yorker Büro zum Alltag. Ein Schweizer Team müsste diese Expertise aus der Ferne zuliefern. Die bisherige Zusammenarbeit verlief offenbar harmonisch. Die Schweizer EY-Gesellschaft prüfte die Abschlüsse für die Geschäftsjahre 2022 bis 2024 ohne Einschränkungen oder Versagungsvermerke. Streitigkeiten über Bilanzierungsmethoden oder Prüfungsansätze gab es nicht. Beide Seiten trennten sich ohne Vorwürfe.

Eine Schwachstelle bleibt aktenkundig

Ganz makellos ist die Akte dennoch nicht. Amrize legte eine wesentliche Lücke im internen Kontrollsystem offen. Dem Unternehmen fehlte Personal mit ausreichender Erfahrung in der amerikanischen Rechnungslegung. Diese Schwäche wurde noch während der Zugehörigkeit zu Holcim identifiziert und dokumentiert. Für den neuen Prüfer bedeutet das: genauer hinschauen, ob die Lücke inzwischen geschlossen wurde. Auffällig: Vor der offiziellen Bestellung gab es keine inhaltlichen Konsultationen mit dem künftigen Prüfer. Weder Bilanzierungsfragen noch mögliche Prüfungsurteile wurden vorab besprochen. Die Entscheidung fiel offensichtlich aufgrund strategischer Überlegungen zur geografischen Aufstellung. Der Vorgang dürfte Schule machen. Wenn Unternehmensteile ausgegliedert werden und ihren Fokus in eine andere Region verlagern, ziehen Prüfungsmandate häufig hinterher. Nähe zu Aufsichtsbehörden und Vertrautheit mit lokalen Vorschriften wiegen schwerer als gewachsene Mandatsbeziehungen.