EY-Parthenon sieht Chemiebranche tiefer in der Krise

blog main image
April 2, 2026
03.04.2026
2 Minuten Lesezeit

Eine Analyse zeigt: Umsatz, Beschäftigung und Exporte schrumpfen seit drei Jahren. Chinesische Konkurrenz und hohe Energiekosten setzen der Branche zu.

Drittes Krisenjahr in Folge

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. EY-Parthenon hat Daten des Statistischen Bundesamts und von Eurostat ausgewertet und kommt zu einem ernüchternden Befund. Seit dem Höchststand 2022 ist der Branchenumsatz um mehr als ein Fünftel eingebrochen. Über 13.000 Stellen wurden gestrichen. Für das laufende Jahr rechnen die Analysten mit einer Fortsetzung des Abwärtstrends. Chinesische Produzenten haben ihre Kapazitäten in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut und überschwemmen nun den europäischen Markt. Die Importe in die EU kletterten 2025 um fast ein Viertel auf knapp 55 Milliarden Euro. Das Handelsdefizit mit China hat sich mehr als verdoppelt. Jan Kümmel, Partner bei EY-Parthenon, sieht die deutschen Hersteller in der Defensive: „Chinesische Anbieter treten in Europa immer stärker als Wettbewerber deutscher Produzenten in Erscheinung – mit Preisen, die für die Deutschen nicht machbar sind."

Stromrechnung als Standortnachteil

Energie kostet hierzulande mehr als anderswo. Für eine Branche, die auf günstige Kilowattstunden angewiesen ist, ein gravierendes Handicap. Der jüngste Preisschub verschärft die Lage weiter. Max Dressler, ebenfalls Partner bei EY-Parthenon, formuliert drastisch: „Die Luft für die deutsche Chemieindustrie wird immer dünner." Die Zahl der Insolvenzverfahren verharrt auf hohem Niveau. 45 Anträge zählten die Berater für 2025, ähnlich viele wie in den beiden Vorjahren. Vor 2023 lag der Schnitt bei 30. Dressler warnt vor Kettenreaktionen: „Fällt ein Chemiebetrieb aus, reißt dies oft eine Lücke in bestehende Lieferketten, Dominoeffekte drohen."

Personal als strategische Reserve

Trotz roter Zahlen halten viele Unternehmen an ihren Fachleuten fest. Die Belegschaften schrumpften seit 2022 nur um vier Prozent. Kümmel erklärt das Motiv: Qualifiziertes Personal sei knapp und ein Trumpf des Standorts. Doch die Geduld hat Grenzen. Je länger die Krise dauert, desto wahrscheinlicher werden Einschnitte. EY-Parthenon empfiehlt den Rückzug aus dem margenschwachen Massengeschäft. Wer überleben will, muss Nischen besetzen und Überkapazitäten abbauen. Die Konsolidierung werde weitergehen, prophezeit Dressler: Schwächere Standorte verschwinden, stärkere Einheiten übernehmen. Ein weiterer Anstieg der Pleiten würde den Industriestandort insgesamt treffen.