Die Beratungsgesellschaft hat untersucht, wie weit österreichische Banken bei der Digitalisierung ihrer Kreditvergabe sind. Das Ergebnis zeigt erhebliche Unterschiede je nach Produktkategorie.
Wo steht Österreich bei digitalen Krediten? EY wollte es genau wissen und analysierte im Herbst 2025 die Antragsstrecken zahlreicher Filialbanken. Bei Konsumkrediten finden sich bereits vollständig medienbruchfreie Abschlüsse. Anders sieht es bei Immobilienfinanzierungen aus. Hier beginnen Kunden zwar häufig online, müssen aber für Bonitätsprüfung oder Unterschrift den digitalen Kanal verlassen. Unternehmenskredite sind aufgrund ihrer Komplexität kaum automatisiert. Viele Institute kämpfen mit gewachsenen IT-Landschaften. Moderne Frontends treffen auf veraltete Kernbanksysteme. Daten werden mehrfach erfasst, Abstimmungen laufen per E-Mail, Prüfungen erfolgen manuell. Die Folge sind lange Durchlaufzeiten und hohe Prozesskosten. Gleichzeitig steigen die Anforderungen von Aufsicht und Kunden.
Europa liefert den Rahmen für automatisierte Kreditprozesse. Die überarbeitete Verbraucherkreditrichtlinie weitet Dokumentationspflichten aus. Das KI-Gesetz der EU ermöglicht den rechtssicheren Einsatz von Algorithmen bei Bonitätsentscheidungen. Open-Finance-Initiativen erleichtern den Datenaustausch zwischen Instituten und Dritten. Der Blick über die Grenzen zeigt, was möglich ist. Skandinavien wickelt selbst komplexe Finanzierungen seit Jahrzehnten vollständig digital ab. Auch Ungarn und baltische Staaten haben in kurzer Zeit durchgängige Prozesse etabliert. Österreich hat mit ID Austria eine Basis geschaffen, die nun für Kreditstrecken genutzt werden könnte.
EY empfiehlt hybride Modelle. Kunden wünschen schnelle Abläufe, wollen bei wichtigen Entscheidungen aber persönliche Beratung. Moderne Plattformen mit KI-Unterstützung können Backoffice-Aufgaben automatisieren und gleichzeitig individuellen Kontakt ermöglichen. Wer diese Verbindung schafft, sichert sich Wettbewerbsvorteile.




