Mit der Verlegung des Firmensitzes von Kanada in die Vereinigten Staaten endet auch eine langjährige Prüferbeziehung. Den Auftrag übernimmt nun die amerikanische Niederlassung des Beratungshauses.
Bei Keel Infrastructure, dem an der Nasdaq notierten Nachfolger des Bitcoin-Mining-Unternehmens Bitfarms, gibt es einen Wechsel an der Spitze der Abschlussprüfung. Der Prüfungsausschuss hat PricewaterhouseCoopers in den Vereinigten Staaten zur unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für das laufende Geschäftsjahr bestellt. Damit endet die Tätigkeit der kanadischen PwC-Niederlassung, die mit Wirkung zum 11. Juni offiziell von ihrem Mandat entbunden wurde. Der Schritt fügt sich in einen größeren Umbau ein. Das Unternehmen hat seinen Sitz von Kanada in die USA verlegt und stellt die Rechnungslegung parallel auf die US-amerikanischen Standards um. Vor diesem Hintergrund wird auch ein in den USA ansässiger Prüfer benötigt.
Wie in solchen Fällen üblich, betont das Unternehmen ausdrücklich, dass es keine Konflikte mit dem bisherigen Prüfer gegeben habe. In den Geschäftsjahren 2024 und 2025 sowie im laufenden Zwischenzeitraum traten weder Meinungsverschiedenheiten über Bilanzierungsfragen noch meldepflichtige Vorfälle auf. Auch die Prüfberichte von PwC Kanada enthielten weder Versagungsvermerke noch Einschränkungen. Vor der Beauftragung wurden zudem keine Vorabkonsultationen mit dem neuen amerikanischen Prüfer geführt. Damit ist auch die Frage der Unabhängigkeit formal geklärt. PwC Kanada erhielt eine Kopie der Erklärungen und wurde gebeten, gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC zu bestätigen, ob die Darstellungen des Unternehmens zutreffen.
Hinter dem Prüferwechsel steht ein weitreichender Strategiewechsel. Das Unternehmen, das früher unter dem Namen Bitfarms firmierte, verlagert seinen Fokus vom Bitcoin-Mining auf Hochleistungsrechnen und Infrastruktur für KI-Anwendungen. Im vergangenen Geschäftsjahr stiegen die Erlöse um 72 Prozent auf 229 Millionen Dollar. Gleichzeitig verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von 209 Millionen Dollar.
Analysten reagieren gemischt. H.C. Wainwright hat das Kursziel für Keel Infrastructure von 3,70 auf 5,50 Dollar angehoben und auf Fortschritte bei den Genehmigungen für Standorte in Pennsylvania und Washington verwiesen. Chardan nahm die Beobachtung mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 4,50 Dollar auf und hob das Potenzial im Markt für nordamerikanische Rechenzentren hervor.
Die Plattform InvestingPro stuft das Papier auf Basis ihrer Fair-Value-Kennzahlen derzeit als überbewertet ein und verweist auf schwache Bruttogewinnmargen. Ob Keel mit seiner Neuausrichtung tatsächlich an die großen Anbieter im KI-Infrastrukturbereich heranreichen kann, dürfte sich in den kommenden Quartalen zeigen.




