Sechs Jahre nach Wirecard-Pleite: Justiz kommt nicht hinterher

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June 18, 2026
22.06.2026
3 Minuten Lesezeit

Wer auf zügige Urteile hofft, dürfte enttäuscht werden. Im Münchner Justizapparat stapeln sich die Wirecard-Verfahren, von der Schadensersatzklage der Aktionäre bis hin zu Anklagen gegen Ex-Vorstände. Die Aufarbeitung zieht sich nun schon ins siebte Jahr.

Karlsruhe als Flaschenhals

Wer die Schuld an der zähen Verfahrenslage sucht, landet derzeit beim Bundesgerichtshof. Dort liegen gleich zwei zentrale Fragen, die das Musterverfahren der Aktionäre gegen EY blockieren.

Eine davon ist personell brisant. Mit Reinhard Röttle hat seit Kurzem ein neuer Mann den Vorsitz beim Bayerischen Obersten Landesgericht inne. Pikant: Bevor er den Robenwechsel vollzog, leitete er die Münchner Generalstaatsanwaltschaft, die wiederum am Rande mit dem Wirecard-Komplex zu tun hatte. Das genügte EY und anderen Verfahrensbeteiligten, um Befangenheit zu rügen. Die Münchner Kollegen winkten die Anträge im Mai zwar ab, ließen aber die Tür nach Karlsruhe offen.

Die zweite Frage klingt technischer, hat es aber ebenfalls in sich. Es geht darum, ob ein Prüfungstestat als Anlegerinformation zählt und damit überhaupt im Rahmen eines Musterverfahrens behandelt werden kann. Erst wenn Karlsruhe das geklärt hat, ist ein Fortschritt in Sicht. Wann die obersten Richter sich äußern, weiß niemand. Allein im zweiten Fall haben sich die zuständigen Stellen mehr als zwanzigmal eine Fristverlängerung genehmigt. Beteiligte rechnen mit einer Pause von einem Jahr, vielleicht mehr.

Anklagen sammeln Staub

Während Karlsruhe schweigt, herrscht in München gleich an mehreren Stellen Stillstand. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Hausaufgaben längst gemacht und Anklagen vorbereitet. Doch das zuständige Landgericht hat in mehreren Verfahren bis heute nicht entschieden, ob es überhaupt zu einer Hauptverhandlung kommt. Im Fall des ehemaligen Finanzvorstands Burkhard Ley wartet die Akte seit Ende 2023 auf eine Antwort. Noch länger steht ein anderer Fall in den Regalen: Ein mutmaßlicher Komplize des geflohenen Vorstands Jan Marsalek wurde bereits im Dezember 2021 angeklagt. Vier Jahre später ist nicht klar, ob das Verfahren je eröffnet wird. Auf Nachfrage verwies ein Gerichtssprecher auf Haftsachen, die die zuständige Kammer prioritär bearbeiten müsse.

Endlosschleife im Saal A

Auch der wohl prominenteste Strang der Aufarbeitung kommt nicht zum Abschluss. Seit Dezember 2022 verhandelt das Landgericht München I gegen Markus Braun. Über 200 Sitzungstage sind seither absolviert. Die Vorwürfe wiegen schwer und reichen vom Bilanzbetrug bis zur Untreue.

Ein Urteil schien vor einiger Zeit greifbar, war für Ende 2025 erwartet worden. Inzwischen hat das Gericht neue Termine bis kurz vor Weihnachten angesetzt. Was zunächst nach Endphase klingt, möchte ein Sprecher nicht so verstanden wissen. Die Festlegung neuer Verhandlungstage sei lediglich vorsorglich und lasse keine Rückschlüsse darauf zu, wann ein Urteil falle.

Ley wie auch Braun bestreiten die Vorwürfe geschlossen.

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