Koalition blockt strengeres Fremdbesitzverbot ab

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March 23, 2026
23.03.2026
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Der Bundestag debattiert das Steuerberatungsänderungsgesetz. Die Forderungen des Bundesrats nach schärferen Regeln für Investoren bleiben ungehört.

Türen bleiben offen für Private Equity

Die Hoffnungen der Standesvertreter zerschlagen sich. In der ersten Lesung zum Neunten Steuerberatungsänderungsgesetz machte die Regierungskoalition unmissverständlich klar: An den Beteiligungsregeln wird nicht gerüttelt. Staatssekretär Michael Schrodi pochte auf den Status quo. Seit 2021 seien reine Kapitalbeteiligungen an Steuerberatungsgesellschaften untersagt. Diese Linie gelte weiter. Im ursprünglichen Entwurf aus dem Finanzministerium standen härtere Vorgaben. Wirtschaftsprüfer und Buchprüfer hätten bestimmte Hürden nehmen müssen, um sich an Steuerkanzleien zu beteiligen. Das Kabinett strich die Passage im Januar ersatzlos. Von der Verschärfung blieb nichts übrig.

Länderkammer prallt ab

Der Bundesrat hatte im Februar einen anderen Weg eingeschlagen. Die Finanzausschuss-Empfehlung war eindeutig: Schlupflöcher schließen, Unabhängigkeit sichern, Bestandsschutz für bestehende Strukturen. Die Sorge galt der schleichenden Übernahme durch renditehungrige Geldgeber. Berlin winkte ab. Die Bundessteuerberaterkammer trommelt seit Monaten gemeinsam mit anderen Freiberufler-Organisationen gegen den Trend. Internationale Finanzinvestoren drängen in den deutschen Markt, kaufen Kanzleien zusammen, bauen Netzwerke auf. Die Befürchtung: Wenn Kapitalinteressen die Mandatsarbeit steuern, leidet die Unabhängigkeit.

Einsame Stimme im Parlament

Nur Doris Achelwilm von der Linken griff das Thema in der Debatte auf. Sie warnte vor Zuständen wie bei Arztpraxen, wo Investoren längst mitmischen. Mittelständische Kanzleien verschwinden, Mandanten wissen nicht mehr, wer im Hintergrund die Fäden zieht. Die Mahnung verhallte im leeren Saal. Das Gesetz geht nun in die Detailberatung. Dass sich dort noch Grundsätzliches ändert, gilt als unwahrscheinlich. Die Koalition hat ihre Position bezogen. Für Investoren, die über ausländische Vehikel einsteigen, bleibt das Spielfeld offen.