Die Beratungsgesellschaft setzt in den USA auf Prämien, mobile Coaching-Stationen und persönliche Vorbilder. Die zuständige Personalchefin Yolanda Seals-Coffield treibt den Wandel mit eigenen KI-Agenten voran.
Den Zugang zu KI-Werkzeugen haben bei PwC längst alle. Ob ChatPwC, Microsoft Copilot, ChatGPT Enterprise oder Claude, jeder der 80.000 Beschäftigten kann die Programme nutzen. Über 90 Prozent haben grundlegende Schulungen abgeschlossen. Doch zwischen Zugang und tatsächlicher Anwendung im Alltag klafft eine Lücke. Personalchefin Seals-Coffield erlebt das am eigenen Schreibtisch. Sie hat sich mehrere persönliche Helfer einrichten lassen, die Kalender pflegen, Posteingänge sortieren und sogar in ihrem Tonfall schreiben. Wer so etwas täglich erlebt, kennt die Möglichkeiten und die Hürden gleichermaßen.
Damit die Belegschaft den Sprung vom Tool zur Gewohnheit schafft, hat PwC ein Prämienprogramm aufgesetzt. Führungskräfte können Kolleginnen und Kollegen vorschlagen, die KI besonders erfolgreich einsetzen. Bis zu 5.000 Dollar winken den Gewinnern. Fast 900 Vorschläge sind bereits eingegangen. Das Ziel ist weniger der Geldpreis als die Sichtbarkeit. Gute Beispiele aus einer Abteilung sollen andere inspirieren. Wer im Nachbarbüro etwas Bemerkenswertes schafft, soll als Vorbild dienen.
Wer schon weiß, dass er KI nutzen möchte, aber nicht weiß wie, bekommt eine andere Hilfe. Unter dem Namen AI Coaching Live tourt das Unternehmen mit kleinen Beratungsstationen durch seine Standorte. In Detroit, Tampa und New Jersey waren die Coaches bereits, weitere Städte folgen. Mitarbeiter melden sich vorher an, bringen ihr Anliegen mit und erhalten Hilfe direkt am eigenen Laptop. Intern haben sich die Stationen den Spitznamen Genius Bar verdient, in Anspielung auf die Apple-Stores. Im Unterschied dazu reparieren die Coaches nichts, sondern zeigen den Beschäftigten, wie sie sich selbst helfen können. Der Pilotversuch mit gut 90 Teilnehmern erhielt ausschließlich positive Rückmeldungen.
KI war lange Sache der Technikabteilungen. Inzwischen wandert die Verantwortung zunehmend ins Personalressort, weil ohne die Mitarbeiter keine Veränderung gelingt. Seals-Coffield warnt davor, sich auf reine Zahlen wie eingesparte Stunden zu verlassen. Viele Beschäftigte spürten in ihrem Alltag bislang kaum eine Veränderung. Ihre Botschaft an Kolleginnen und Kollegen in anderen Häusern: Selbst experimentieren, nicht abwarten und die eigenen Teams aktiv mitnehmen.




