BaFin verschärft Gerresheimer-Prüfung

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March 5, 2026
06.03.2026
2 Minuten Lesezeit

Die Finanzaufsicht dehnt ihre Untersuchung beim Verpackungshersteller deutlich aus. Neben Umsatzfragen stehen nun auch Wertberichtigungen und Risikoeinschätzungen im Fokus.

Weitere Baustellen aufgetaucht

Der Spezialverpackungshersteller Gerresheimer kommt nicht zur Ruhe. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat den Umfang ihrer Bilanzprüfung erheblich erweitert. Was im Herbst mit Fragen zur Umsatzerfassung begann, wächst sich zu einer umfassenden Untersuchung aus. Leasingverbindlichkeiten, aktivierte Entwicklungskosten und möglicherweise verspätete Abschreibungen stehen nun ebenfalls auf der Prüfliste. Auch Zwischenberichte ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Die Behörde nimmt den Sechs-Monats-Abschluss zum 31. Mai 2025 unter die Lupe. Besonderes Interesse gilt der Risikodarstellung rund um den Kauf des italienischen Wettbewerbers Bormioli Pharma. Für diese Übernahme zahlte Gerresheimer 800 Millionen Euro und schraubte die Verschuldung kräftig nach oben. Im Halbjahresbericht stufte das Management das Liquiditätsrisiko dennoch als gering ein. Die BaFin zweifelt an, ob diese Einschätzung der Realität entsprach.

Abschreibungen womöglich verschleppt

Anfang Februar räumte das Unternehmen erheblichen Wertberichtigungsbedarf für 2025 ein. Zwischen 220 und 240 Millionen Euro dürften abgeschrieben werden, vor allem im Geschäftsfeld Advanced Technologies rund um die Schweizer Beteiligung Sensile Medical. Die Aufsicht prüft nun, ob diese Korrekturen bereits früher hätten vorgenommen werden müssen. Der Kurssturz ist dramatisch. Vor der ersten Gewinnwarnung im Herbst 2024 notierte die Aktie bei knapp 100 Euro. Inzwischen liegt sie unter 15 Euro. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat ein Gutachten zu den Verantwortlichkeiten von Vorstand und Aufsichtsrat erstellen lassen. Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler kritisiert die schrittweise Offenlegung der Probleme als zermürbend und ruft geschädigte Anleger auf, sich zusammenzuschließen.

Mehrere Prüfer am Werk

Im Geschäftsjahr 2024 wechselte Gerresheimer den Wirtschaftsprüfer. KPMG übernahm von Deloitte. Nun ist zusätzlich Grant Thornton involviert. Die Gesellschaft soll gemeinsam mit KPMG die Bilanzierungsthemen der vergangenen Jahre aufarbeiten. Eine Anwaltskanzlei hatte zuvor festgestellt, dass Umsätze systematisch zu früh verbucht wurden. Die BaFin wird sich bei Bedarf mit der Wirtschaftsprüferaufsicht APAS abstimmen. Der Konzern ist nicht nur am Aktienmarkt unter Druck. Die Finanzschulden beliefen sich zuletzt auf 2,2 Milliarden Euro. Zur Finanzierung der Bormioli-Übernahme stellten BayernLB, LBBW, Unicredit und Commerzbank Kredite bereit. Einzelne Bedingungen wurden bereits angepasst. Wie stabil die Finanzierung bleibt, hängt auch vom Fortgang der Prüfungen ab.