EY sieht Autoindustrie im freien Fall

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March 23, 2026
24.03.2026
3 Minuten Lesezeit

Umsätze sinken, Jobs verschwinden, Pleiten häufen sich. Die Zulieferer trifft es am härtesten, seit 2019 ist fast jede vierte Stelle weg.

Talfahrt ohne Bremse

Die deutsche Automobilbranche steckt tief in der Krise. EY hat die Zahlen zusammengetragen und zeichnet ein düsteres Bild. Der Branchenumsatz schrumpfte 2025 um 1,6 Prozent, im Jahr zuvor waren es schon fünf Prozent gewesen. Die Belegschaften schmelzen noch schneller: Mehr als sechs Prozent weniger Beschäftigte binnen zwölf Monaten. Mit 725.000 Mitarbeitern liegt die Branche auf dem niedrigsten Stand seit anderthalb Jahrzehnten. Die Hersteller leiden, die Zulieferer kämpfen ums Überleben. Deren Erlöse brachen viermal so stark ein wie die der Autobauer. Bei den Arbeitsplätzen sieht es verheerend aus: Elf Prozent Rückgang in einem Jahr. Seit der Pandemie sind 73.000 Stellen verschwunden, das entspricht fast einem Viertel aller Jobs. Allein 2025 fielen 29.000 Positionen weg.

Pleitewelle überrollt die Branche

So viele Insolvenzen gab es seit 14 Jahren nicht. 39 Zulieferer gaben zwischen Januar und November auf, deutlich mehr als in den Vorjahren. Constantin Gall, bei EY für Mobilität zuständig, sieht mehrere Ursachen: schleppende Konjunktur, teure Neuwagen, verunsicherte Käufer. Dazu kommt der Einbruch bei den Exporten. Nach Amerika gingen 18 Prozent weniger Fahrzeuge, nach China sogar ein Drittel weniger. Der Standort verliert an Zugkraft. Unternehmen packen ihre Koffer, weil anderswo weniger Bürokratie und mehr Tempo warten. Andere Länder werben aggressiv um Neuansiedlungen. Gall mahnt: Nicht alle hätten begriffen, wie ernst die Lage sei.

Stromer-Träume zerplatzt

Die Wette auf schnell wachsende Elektroverkäufe ging nicht auf. Milliarden flossen in neue Technologien, die erhofften Absätze blieben aus. Jetzt drehen viele Hersteller wieder Richtung Verbrenner, weitere Investitionen werden fällig. Gall spricht von einem Desaster, das vor allem die Zulieferer trifft. China dreht den Spieß um. Während deutsche Ausfuhren ins Reich der Mitte einbrechen, fluten chinesische Autos den europäischen Markt. Erstmals überstiegen die Importe aus China die Exporte dorthin. Aus einem Überschuss von 23 Milliarden Euro vor sechs Jahren wurde ein Defizit von sechs Milliarden. EY rechnet mit weiterem Stellenabbau. Europa erholt sich nicht, China bleibt verloren, Amerika ist unberechenbar. Hersteller und Zulieferer müssen abspecken. Bis die Branche wieder auf die Beine kommt, wird es dauern.