PwC geht gegen Ex-Partner bei Unity Advisory vor

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February 25, 2026
25.02.2026
3 Minuten Lesezeit

Die Big-Four-Gesellschaft verschärft den Ton gegenüber der Boutique-Beratung Unity Advisory. Gründerin Marissa Thomas war einst COO bei PwC UK.

Wenn aus Kollegen Konkurrenten werden

Der Wettbewerb um Talente und Mandanten in der Beratungsbranche kennt wenig Sentimentalität. Das zeigt sich gerade am Verhältnis zwischen PwC und Unity Advisory. Die Boutique wurde 2024 von Marissa Thomas ins Leben gerufen, die zuvor als Chief Operating Officer bei PwC UK tätig war. An ihrer Seite steht Steve Varley, einst Chef von EY im Vereinigten Königreich. Der Private-Equity-Investor Warburg Pincus stattete das Duo mit 300 Millionen Dollar aus. Das Ziel machten die Gründer von Beginn an klar: Mandanten und Partner von den etablierten Häusern abziehen.

Scharfe Töne aus der Rechtsabteilung

PwC lässt diese Offensive nicht unbeantwortet. Mehrere Unity-Partner haben juristische Schreiben erhalten, die Beteiligte als einschüchternd beschreiben. Die Boutique hat ihrerseits die Kanzlei Mishcon de Reya engagiert, um die vertraglichen Einschränkungen zu prüfen, denen ehemalige PwC-Partner unterliegen. Die Partnerschaftsverträge der Big Four enthalten typischerweise Klauseln, die den Kontakt zu früheren Klienten und das Abwerben von Mitarbeitern nach dem Ausscheiden untersagen.

Ruhestandsleistungen auf der Kippe

Besonders brisant ist der Umgang mit sogenannten Annuitäten. Diese Zahlungen bilden für ausgeschiedene Partner einen Teil des Ruhestandseinkommens und speisen sich aus den Gewinnen der Gesellschaft. PwC soll gedroht haben, diese Leistungen für Wechsler zu Unity zu streichen. Auch der Zugang zur Krankenversicherung soll einigen Abgängern entzogen worden sein.

Persönliche Geschichte im Hintergrund

Der Konflikt hat eine Vorgeschichte. Als 2024 die Position des UK-Chefs bei PwC neu besetzt wurde, galt Thomas als aussichtsreiche Kandidatin für den Posten an der Spitze der 33.700 Mitarbeiter starken Organisation. Auf die finale Auswahlliste schaffte sie es jedoch nicht. Marco Amitrano, zuvor Leiter des Beratungsgeschäfts, setzte sich durch. Branchenkenner beschreiben die Dynamik zwischen den Beteiligten als persönlich aufgeladen.

Gezielte Rekrutierung

Unity hat mehrere ehemalige PwC-Partner eingestellt, darunter einige, die 2024 in den vorzeitigen Ruhestand gedrängt worden waren. Für PwC entsteht damit eine doppelte Herausforderung: Erfahrene Berater mit gewachsenen Mandantenbeziehungen treten nun als Wettbewerber auf und kennen die internen Strukturen des früheren Arbeitgebers genau.

Harte Linie als Abschreckung

Restriktive Austrittsverfahren gelten in der Branche als bewährtes Mittel, um Partner vom Wechsel zur Konkurrenz abzuhalten. Ein ehemaliger PwC-Partner beschreibt die Trennungsverhandlungen als zermürbend. PwC betont, die eigenen Interessen fair schützen zu müssen, insbesondere wenn vertragliche Pflichten verletzt worden sein könnten. Amitrano wandte sich vor Veröffentlichung des Berichts an die Partnerschaft und versicherte, ehemalige Kollegen mit Respekt zu behandeln. Der Ausgang des Konflikts dürfte die Branche noch länger beschäftigen.